Bis 2015 werden in Europa rund 160 Gaskraftwerke neu entstehen oder erweitert und die installierte Leistung so um rund 66 Gigawatt ansteigen. Boomländer sind Spanien, Italien, Frankreich, Großbritannien und Benelux. In Deutschland hingegen verzögert sich der Bau neuer Gaskraftwerke als Folge des hohen Gaspreises.
Zwischen 2011 und 2015 werden in Europa rund 160 Gaskraftwerke neu gebaut oder um neue Kraftwerksblöcke erweitert. Ein solches Marktwachstum hat es in Europa noch nicht gegeben. Die Leistung der europäischen Gaskraftwerke wird sich um 66 Gigawatt auf 242 Gigawatt erhöhen – insgesamt werden fast 43 Milliarden Euro investiert.
Große Gaskraftwerke mit einer Leistung von mehr als 10 MWel boomen vor allem, weil viele Kohlekraftwerke sehr alt sind. Sollten sie weiterhin betrieben werden, müssten sie einer strengeren Gesetzgebung angepasst werden, was manchmal eine technische Erneuerung notwendig macht. Zudem stehen sie wegen ihrer hohen CO2-Emissionen nicht nur in der Kritik, sondern ihr Betrieb wird als Folge des europäischen CO2-Zertifikatshandels auch immer teurer.

Gaskraftwerke hingegen produzieren nicht nur weniger CO2, sie können aufgrund ihrer Flexibilität die unstete Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien wie der Wasserkraft auch viel besser ausgleichen. Anders als Kohlekraftwerke können sie innerhalb von Sekunden hoch- und heruntergefahren werden; in Form von Kombikraftwerken sind sie zudem energieeffizienter als jeder andere fossile Kraftwerkstyp.
Die meisten Staaten Europas planen vor diesem Hintergrund einen deutlichen Ausbau der Stromerzeugung aus Erdgas. Gaskraftwerke boomen vor allem in Ländern, die zunehmend auf eine Versorgung durch Flüssiggas (LNG) setzen. LNG war in den vergangenen Jahren deutlich günstiger als Pipelinegas – zum einen, weil es in sehr viel geringerem Maße an den Ölpreis gebunden ist. Aber auch das LNG-Überangebot als Folge US-amerikanischer Gasfunde im Zuge des Frackings spielte eine Rolle.
In den Boomländern Spanien, Italien, UK und Benelux werden in den nächsten Jahren sowohl in Terminals zur Anlandung von Flüssiggas investiert als auch in den Bau neuer Gaskraftwerke.
In Deutschland wäre der Bedarf an neuen Gaskraftwerken als Folge des Atomausstiegs sogar noch größer. Aber hier gibt es keine Flüssiggasterminals; das Erdgas kommt fast vollständig aus Pipelines. Dessen Preis ist an den Ölpreis gebunden, Erdgas ist in Deutschland somit derzeit teuer – und bleibt es auch in absehbarer Zukunft. Projekte für den Bau von LNG-Terminals in Wilhelmshaven und Rostock sind gestorben oder wurden verschoben – wegen der unsicheren Zukunft des LNG-Marktpreises, aber auch wegen des trägen deutschen Wettbewerbs. Es gibt nur wenige Anbieter, alle großen der Branche sind über langfristige Verträge an Pipelinegas gebunden.
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