Artikel-Schlagworte: „Strompreiserhöhung“
Der Staat treibt mit immer höheren Steuern und Abgaben sowie Befreiungen für die Industrie den Strompreis für Privathaushalte in die Höhe. Auch die Energieversorger sind nicht zimperlich, wenn es darum geht, ihre Kosten vollständig auf die Endverbraucher umzulegen. Neben der massiven Steigerung von Steuern und Abgaben ist in den letzten Jahren auch die Höhe der Strompreiskomponenten, die Energieversorger selbst beeinflussen können, deutlich gestiegen.
Die aktuellen Strompreiserhöhungen kommen durch höhere Netzentgelte und strategische Überlegungen der Stromversorger zustande. Die Kosten, die durch die Energiewende im Zuge der Katastrophe von Fukushima entstehen, sind darin noch nicht enthalten.
Das nahende Frühjahr bringt nicht nur höhere Temperaturen: Im März und April steigen für bis zu 10 Millionen Haushalte in Deutschland auch die Strompreise. Bei 100 Stromversorgern treten die Preiserhöhungen bereits heute, zum 1. März 2012, in Kraft. Für April haben über 90 weitere Anbieter Strompreiserhöhungen angekündigt. Insgesamt steigen die Preise um durchschnittlich 3,5 Prozent.
Das unabhängige Verbraucherportal Verivox hat ermittelt, dass in den kommenden Monaten weitere Stromversorger die Preise um rund 3,5 Prozent erhöhen werden. Für einen Musterhaushalt bedeutet dies eine jährliche Mehrbelastung von rund 36 Euro. Die Gründe dafür sind neben den Beschaffungspreisen vor allem die angestiegenen Netznutzungsentgelte, die noch nicht von allen Anbietern berücksichtigt werden.
Strom- und Gaspreiserhöhung per E-Mail-Ankündigung unzulässig
Vertragsklauseln von Energieversorgern, die nicht einmal die vom Bundesgerichtshof festgelegten Mindestanforderungen an die ohnehin vagen Preisanpassungsregeln der Strom- und Gas-Grundversorgungsverordnung (Strom- bzw. Gas-GVV) erfüllen, sind unwirksam: Strom- und Gaspreiserhöhungen, die den Kunden nur per “individueller Bekanntgabe” angekündigt werden, genügen damit nicht den gesetzlichen Vorgaben.
Wie das unabhängige Verbraucherportal Verivox bekannt gegeben hat, haben zum Dezember und Januar 62 Stromanbieter Preiserhöhungen von durchschnittlich 3 Prozent angekündigt. Im Gasbereich haben 53 Versorger Preiserhöhungen von rund 8 Prozent bekannt gegeben.
Mindestens jedem zweiten deutschen Haushalt wurde in den vergangenen Wochen eine Strompreiserhöhung mitgeteilt. Die Strompreise für private Verbraucher steigen seit Jahren stetig an. Gleichzeitig sind die Einkaufspreise für die Stromanbieter deutlich gesunken. Das zeigt eine Analyse des unabhängigen Verbraucherportals Verivox.
Die sinkenden Einkaufspreise der Stromanbieter zeigt der “Erzeugerpreisindex Strom bei Abgabe an Weiterverteiler” des Statistischen Bundesamtes deutlich. Zwischen Oktober 2008 und Oktober 2010 ist dieser Erzeugerpreisindex von 163,8 auf 130,5 Punkte gesunken. Das bedeutet, dass die Einkaufspreise für die Stromanbieter in den vergangenen Jahren um rund 20 Prozent gefallen sind. Doch dieser Preisrutsch ist bei den Verbrauchern niemals angekommen.
Der Verivox Verbraucherpreisindex Strom ist im gleichen Zeitraum um 8 Prozent angestiegen. Im Oktober 2008 bezahlte ein Musterhaushalt mit einem jährlichen Verbrauch von 4.000 kWh durchschnittlich 851 Euro, im Oktober 2010 waren es 923 Euro. Durch die massenhaften Strompreiserhöhungen zum Jahreswechsel wird die gegenläufige Entwicklung von Einkaufspreisen und Verbraucherpreisen noch verstärkt. Zum 1. Januar 2010 haben 413 Stromanbieter Preiserhöhungen von durchschnittlich 7,1 Prozent angekündigt.
Ungerechtfertigte Strompreiserhöhungen?
Die Welle von Strompreiserhöhungen zum Jahreswechsel ist stark umstritten. Die Stromanbieter machen die gestiegenen Kosten für den Ausbau der Erneuerbaren Energien für die neuerliche Preisrunde verantwortlich. Durch die Strompreiserhöhungen würden lediglich steuerliche Belastungen durchgereicht.
Der Präsident der Bundesnetzagentur, Matthias Kurth, bezeichnet die Erhöhungen dagegen als ungerechtfertigt. Die Stromanbieter würden den Anstieg der EEG-Umlage als Vorwand benutzen, um Strompreiserhöhungen durchzusetzen.
Den erhöhten staatlichen Abgaben stünden sinkende Großhandelspreise durch die stärkere Vermarktung der Erneuerbaren Energien an der Strombörse gegenüber. Durch die Strompreiserhöhungen für private Verbraucher werden steuerliche Belastungen abgewälzt. Die Erleichterungen durch gesunkene Einkaufspreise werden jedoch kaum weitergegeben.
“Die durchschnittlichen Strompreise für private Verbraucher steigen jedes Jahr, auch wenn die Großhandelspreise sinken. Daher raten wir den Verbrauchern, die Preise zu vergleichen und zu einem Stromanbieter zu wechseln, der günstige Beschaffungskosten auch weitergibt”, so die Empfehlung von Peter Reese, Leiter Energiewirtschaft bei Verivox.
Die Erneuerbare-Energien-Gesetz-Umlage (EEG-Umlage) steigt laut der Nachrichtenagentur AFP von 2,05 Cent pro Kilowattstunde im Jahr 2010 auf 3,5 Cent pro Kilowattstunde im Jahr 2011. Geben die Stromanbieter diese Umlage direkt an die Verbraucher weiter, steigt der Strompreis zum Jahreswechsel um 7,5 Prozent. Durch diese Erhöhung muss ein privater Musterhaushalt künftig pro Jahr 69 Euro brutto mehr für Strom bezahlen. Die EEG-Umlage ist eine Abgabe, mit welcher der Ausbau der Erneuerbaren Energien finanziert wird. Das unabhängige Verbraucherportal Verivox erklärt die Auswirkungen auf private Stromkunden und die Hintergründe der staatlichen Strompreiserhöhung.
Mit der Erhöhung der EEG-Umlage steigt der Staatsanteil am Strompreis für private Verbraucher von 41 auf 46 Prozent. Die Netzgebühren haben einen Anteil von 22 Prozent am Verbraucherendpreis. Die Stromversorger selbst erhalten 32 Prozent des Strompreises für Beschaffung, Vertrieb und Marge.
Stromkosten für private Haushalte erhöhen sich um 7,5 Prozent
Der Verivox-Verbraucherpreisindex Strom liegt im Oktober 2010 bei einem Preis von 23,08 Cent pro Kilowattstunde. Für einen Musterhaushalt mit einem Jahresverbrauch von 4000 Kilowattstunden ergeben sich daraus Stromkosten von durchschnittlich 923 Euro.
Ohne die Mehrwertsteuer liegt der Kilowattstundenpreis im Durchschnitt bei 19,40 Cent. Mit dem Anstieg der EEG-Umlage von 2,05 Cent auf 3,5 Cent kommen 1,45 Cent zum Nettopreis hinzu (20,85 Cent/Kilowattstunde). Da die Mehrwertsteuer auch auf die Energiesteuern aufgeschlagen wird, ergibt dies einen Bruttopreis von 24,81 Cent/Kilowattstunde. Für den Musterhaushalt erhöhen sich die jährlichen Stromkosten damit um 69 Euro auf durchschnittlich 992 Euro pro Jahr.
Warum steigt die EEG-Umlage so stark?
Der Hauptgrund für den Anstieg der EEG-Umlage ist der starke Ausbau der Erneuerbaren Energien, insbesondere der teuren Stromerzeugung aus Sonnenenergie. Der Anteil der Photovoltaik an der gesamten Stromerzeugung aus Erneuerbaren Energien ist niedrig. Im Jahr 2008 lag er laut Bundesnetzagentur bei etwa 6 Prozent. Dennoch verursacht die Solarenergie einen großen Teil der Gesamtkosten.
So wurden 2008 Mindestvergütungen von rund 9 Milliarden Euro für die Stromerzeugung aus Erneuerbaren Energien ausbezahlt. Davon gingen 2,2 Milliarden Euro an die Betreiber von Solaranlagen, was einem Anteil von rund 25 Prozent entspricht. Kurz gefasst: Ein Viertel der Gesamtkosten für den Ausbau der Erneuerbaren Energien wurde für ein Sechzehntel der tatsächlichen Ökostromproduktion ausgegeben.
“Der Ausbau der Erneuerbaren Energien ist eine ökonomisch und ökologisch sinnvolle Investition in die Zukunft. Doch bei der Solarenergie liegt eine Fehlsteuerung des Fördersystems vor. Die Subventionen werden nicht optimal eingesetzt”, sagt Peter Reese, Leiter Energiewirtschaft bei Verivox. “Hinzu kommt, dass der Staat durch die Mehrwertsteuer an den Ausgaben für die Erneuerbaren Energien mitverdient.”
Von den Geldern profitieren hauptsächlich süddeutsche Häuslebauer. Mehr als die Hälfte der Solarvergütungen (1,4 Milliarden Euro) floss 2008 nach Bayern und Baden-Württemberg.
Deutschland ist Solarweltmeister
In den letzten beiden Jahren fand ein beispielloser Zubau von Solarenergie statt. Im Jahr 2008 waren in Deutschland Photovoltaikanlagen mit einer Leistung von rund 6 Gigawatt installiert. Im Jahr 2009 wurden 3,8 Gigawatt Leistung zugebaut. Bis August 2010 sind bereits weitere 4,8 Gigawatt installiert worden, was eine derzeitige Gesamtkapazität von rund 14,6 Gigawatt ergibt. Damit ist Deutschland klarer Solarweltmeister. Weltweit waren Ende 2009 insgesamt 22 Gigawatt Photovoltaikleistung installiert.
Laut Verbraucherzentrale Bundesverband wird der Sonnenstrom im nächsten Jahr ein Sechstel der gesamten Strommenge aus Erneuerbaren Energien ausmachen. Aufgrund der hohen Kosten dieser Art der Stromerzeugung werde die Photovoltaik aber fast die Hälfte der EEG-Umlage 2011 verschlingen.