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Energiearmut grassiert – Tendenz steigend. So das Ergebnis einer Umfrage der Verbraucherzentrale NRW bei den 110 Grundversorgern in Nordrhein-Westfalen. Nach Einschätzung von drei Viertel der 58 antwortenden Unternehmen sind wachsende Probleme rund um Energieschulden und Stromsperren festzustellen.
Mehr als drei Millionen Haushalte haben sich bereits für einen Ökostromtarif entschieden. Das unabhängige Verbraucherportal Verivox zeigt, dass der Wechsel zu einem grünen Stromtarif nicht zwangsläufig mit einer höheren Jahresrechnung einhergehen muss.
Nicht alles, was sich Ökostrom nennt, ist für die Energiewende ein Gewinn: Die Mehrzahl der über 2.000 Tarife, die derzeit als “Ökostrom-Angebote” daherkommen, leistet überhaupt keinen oder nur einen sehr geringen Beitrag zum Ausbau der erneuerbaren Energien. Denn weil es an einer einheitlichen Kennzeichnung, verbindlichen Vorgaben sowie gesetzlichem Schutz für den Begriff “Ökostrom” mangelt, üben sich Anbieter daran, mit phantasievollen Namen für den Strom mit grünem Anstrich zu werben.
Strom- und Gaspreiserhöhung per E-Mail-Ankündigung unzulässig
Vertragsklauseln von Energieversorgern, die nicht einmal die vom Bundesgerichtshof festgelegten Mindestanforderungen an die ohnehin vagen Preisanpassungsregeln der Strom- und Gas-Grundversorgungsverordnung (Strom- bzw. Gas-GVV) erfüllen, sind unwirksam: Strom- und Gaspreiserhöhungen, die den Kunden nur per “individueller Bekanntgabe” angekündigt werden, genügen damit nicht den gesetzlichen Vorgaben.
“Sparsam, kostengünstig und einfach zu installieren” – mit solch verlockenden Versprechungen wird zurzeit versucht, elektrisch betriebene Direktheizungen als Alternative zu Nachtstromspeicherheizungen an Mann und Frau zu bringen. “Was Prospekte und Vertreter als ‘Clou’ der Heizungstechnik anpreisen, verschleiert jedoch, dass mit dem Einstecken der schmalen Heizkörper in die Steckdose in der Regel ein teurer Tarifwechsel von Nachtstrom auf Tagstrom verbunden ist”, warnt die Verbraucherzentrale NRW vor einem vorschnellen Kauf, der die jährlichen Stromkosten leicht verdoppeln kann.
Energieversorger halten sich im Kleingedruckten ihrer Sonderverträge nicht einmal an die vagen Preisanpassungsregeln der Strom- und Gas-Grundversorgungsverordnung, die der Bundesgerichtshof als Mindestanforderung für die Wirksamkeit von Preiserhöhungen festgelegt hat. Auf Klage der Verbraucherzentrale NRW gegen die Energiehoch3 GmbH sowie die Gelsenwasser AG hat das Landgericht Dortmund jetzt die Anpassungsklauseln der beiden Anbieter für unwirksam erklärt. Die Verbraucherzentrale NRW empfiehlt allen Strom- und Gassonderkunden, gegen Preiserhöhungen stets Widerspruch einzulegen, um ihre Rechte zu wahren.
Der Einzug energiesparender Technologie und erneuerbarer Energien in die eigenen vier Wände wird immer interessanter. Voraussetzung, dass Energiesparen und praktischer Klimaschutz gelingen, ist eine sorgfältige Planung von aufs jeweilige Haus abgestimmten Maßnahmen.
Der aktualisierte Ratgeber “Heizung und Warmwasser” der Verbraucherzentrale NRW liefert hierzu eine leicht verständliche Orientierungshilfe. Hausbesitzer erhalten auf 160 Seiten zunächst einen Überblick über die verschiedenen Energieträger Erdöl, Gas, Holz und Sonne. Anschließend werden die Vorzüge moderner Heizungssysteme und Wärmepumpen sowie effiziente Systeme zur Warmwasseraufbereitung vorgestellt. Ein Exkurs zur optimalen Wärmedämmung und Hinweise zu Fördermöglichkeiten und runden den Ratgeber ab.
Der Ratgeber “Heizung und Warmwasser – Moderne Heiztechnik mit Sonnenenergie, Holz und Co.” ist für 9,90 Euro in jeder Beratungsstelle der Verbraucherzentrale NRW erhältlich. Zuzüglich 2,50 Euro für Porto und Versand kann er auch unter der Adresse www.vz-ratgeber.de bestellt werden.
Die Erneuerbare-Energien-Gesetz-Umlage (EEG-Umlage) steigt laut der Nachrichtenagentur AFP von 2,05 Cent pro Kilowattstunde im Jahr 2010 auf 3,5 Cent pro Kilowattstunde im Jahr 2011. Geben die Stromanbieter diese Umlage direkt an die Verbraucher weiter, steigt der Strompreis zum Jahreswechsel um 7,5 Prozent. Durch diese Erhöhung muss ein privater Musterhaushalt künftig pro Jahr 69 Euro brutto mehr für Strom bezahlen. Die EEG-Umlage ist eine Abgabe, mit welcher der Ausbau der Erneuerbaren Energien finanziert wird. Das unabhängige Verbraucherportal Verivox erklärt die Auswirkungen auf private Stromkunden und die Hintergründe der staatlichen Strompreiserhöhung.
Mit der Erhöhung der EEG-Umlage steigt der Staatsanteil am Strompreis für private Verbraucher von 41 auf 46 Prozent. Die Netzgebühren haben einen Anteil von 22 Prozent am Verbraucherendpreis. Die Stromversorger selbst erhalten 32 Prozent des Strompreises für Beschaffung, Vertrieb und Marge.
Stromkosten für private Haushalte erhöhen sich um 7,5 Prozent
Der Verivox-Verbraucherpreisindex Strom liegt im Oktober 2010 bei einem Preis von 23,08 Cent pro Kilowattstunde. Für einen Musterhaushalt mit einem Jahresverbrauch von 4000 Kilowattstunden ergeben sich daraus Stromkosten von durchschnittlich 923 Euro.
Ohne die Mehrwertsteuer liegt der Kilowattstundenpreis im Durchschnitt bei 19,40 Cent. Mit dem Anstieg der EEG-Umlage von 2,05 Cent auf 3,5 Cent kommen 1,45 Cent zum Nettopreis hinzu (20,85 Cent/Kilowattstunde). Da die Mehrwertsteuer auch auf die Energiesteuern aufgeschlagen wird, ergibt dies einen Bruttopreis von 24,81 Cent/Kilowattstunde. Für den Musterhaushalt erhöhen sich die jährlichen Stromkosten damit um 69 Euro auf durchschnittlich 992 Euro pro Jahr.
Warum steigt die EEG-Umlage so stark?
Der Hauptgrund für den Anstieg der EEG-Umlage ist der starke Ausbau der Erneuerbaren Energien, insbesondere der teuren Stromerzeugung aus Sonnenenergie. Der Anteil der Photovoltaik an der gesamten Stromerzeugung aus Erneuerbaren Energien ist niedrig. Im Jahr 2008 lag er laut Bundesnetzagentur bei etwa 6 Prozent. Dennoch verursacht die Solarenergie einen großen Teil der Gesamtkosten.
So wurden 2008 Mindestvergütungen von rund 9 Milliarden Euro für die Stromerzeugung aus Erneuerbaren Energien ausbezahlt. Davon gingen 2,2 Milliarden Euro an die Betreiber von Solaranlagen, was einem Anteil von rund 25 Prozent entspricht. Kurz gefasst: Ein Viertel der Gesamtkosten für den Ausbau der Erneuerbaren Energien wurde für ein Sechzehntel der tatsächlichen Ökostromproduktion ausgegeben.
“Der Ausbau der Erneuerbaren Energien ist eine ökonomisch und ökologisch sinnvolle Investition in die Zukunft. Doch bei der Solarenergie liegt eine Fehlsteuerung des Fördersystems vor. Die Subventionen werden nicht optimal eingesetzt”, sagt Peter Reese, Leiter Energiewirtschaft bei Verivox. “Hinzu kommt, dass der Staat durch die Mehrwertsteuer an den Ausgaben für die Erneuerbaren Energien mitverdient.”
Von den Geldern profitieren hauptsächlich süddeutsche Häuslebauer. Mehr als die Hälfte der Solarvergütungen (1,4 Milliarden Euro) floss 2008 nach Bayern und Baden-Württemberg.
Deutschland ist Solarweltmeister
In den letzten beiden Jahren fand ein beispielloser Zubau von Solarenergie statt. Im Jahr 2008 waren in Deutschland Photovoltaikanlagen mit einer Leistung von rund 6 Gigawatt installiert. Im Jahr 2009 wurden 3,8 Gigawatt Leistung zugebaut. Bis August 2010 sind bereits weitere 4,8 Gigawatt installiert worden, was eine derzeitige Gesamtkapazität von rund 14,6 Gigawatt ergibt. Damit ist Deutschland klarer Solarweltmeister. Weltweit waren Ende 2009 insgesamt 22 Gigawatt Photovoltaikleistung installiert.
Laut Verbraucherzentrale Bundesverband wird der Sonnenstrom im nächsten Jahr ein Sechstel der gesamten Strommenge aus Erneuerbaren Energien ausmachen. Aufgrund der hohen Kosten dieser Art der Stromerzeugung werde die Photovoltaik aber fast die Hälfte der EEG-Umlage 2011 verschlingen.